Liebe Kolleginnen und Kollegen,
So wie das vergangene Jahr mit dem 225. Geburtstag des Namensgebers unserer Constantin-Hering-Stiftung begann, starten wir auch in das neue Jahr wieder mit einem Jubiläum: Am 30. Januar 2026 hat sich der Geburtstag von Georg Heinrich Gottlieb Jahr zum 225. Mal gejährt.
Nur ein Jahr jünger als Hering und ebenfalls in Sachsen aufgewachsen, fand auch er in seinen Zwanzigern zur Homöopathie. Sie blieb für sein ganzes weiteres Leben bestimmend. Wie Hering trat er in direkten Kontakt mit Hahnemann (Jahr persönlich, Hering per Brief), engagierte sich für die Verbreitung der Heilmethode, setzte sich für die Ausbildung junger Homöopathen ein und hinterließ wertvolle Fachbücher. Und doch waren beide Persönlichkeiten grundverschieden.
Jahr, mit seiner Geduld und seiner Freude am systematischen Durchdringen und Ordnen des Wissens, fand neben seiner ärztlichen Tätigkeit Erfüllung in religiös geprägter, erhebender Dichtung. Hering hingegen zog es zur experimentellen Arbeit: Er erweiterte mit neuen Arzneiversuchen die Materia Medica und zeigte seine temperamentvolle Seite in hintersinnig-humorvoller Prosa.
Begegnet sind sie sich nie; auch eine Korrespondenz ist bislang nicht bekannt. Ob sie in allen Fachfragen übereinstimmten, bleibt offen. Dass sie einander jedoch schätzten, steht außer Zweifel: Jahr sprach in seinen Lehren und Grundsätzen mehrfach vom „unermüdlichen und geistvollen Dr. Hering“, während Hering die „verschiedenen fleißigen Werke vom Doctor Jahr“ würdigte.
Das sollte uns Mut machen: Unabhängig davon, wie sich die gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen entwickeln, kann jede und jeder mit den eigenen Fähigkeiten dazu beitragen, die Homöopathie dauerhaft im Gesundheitswesen zu verankern. Und wir dürfen dabei auch die Bemühungen unserer Kolleginnen und Kollegen anerkennen und wertschätzen.
Die Arbeit, die Hahnemann und seine Schüler begonnen haben - und die wir heute mit Blick auf den wissenschaftlichen Stand des 21. Jahrhunderts weiterführen wollen - ist ein Generationenprojekt. Umso mehr kommt es auf Beharrlichkeit, Zusammenarbeit und Vertrauen in das gemeinsame Ziel an.
Übrigens steht schon bald das nächste Jubiläum vor der Tür: Am 22. März 2026 folgt der 200. Jahrestag von Constantin Herings Doktorprüfung.
Ilka Sommer | Mitglied im Fachbereit und Projektleitung Bibliothek CHS |